Landesverband Hamburg

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03.05.08

 

 

Aktuelles !

  •  Zur Sache: Jugendgewalt

  •  Eine prominente Stimme für die Opfer

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Zur Sache: Jugendgewalt – Wo hakt es bei Behörden, Justiz und Jugendhilfe?

als Vertreter einer Organisation, die sich um die Opfer von Kriminalität und Gewalt kümmert, liegt mir am Herzen, fünf Aspekte anzusprechen.

1)
Wir diskutieren ein besorgniserregendes kriminal- und gesellschaftspolitisch Thema - die Jugendgewalt. Warum besorgniserregend? Weil die von jungen Tätern im öffentlichen Raum verübten Gewalttaten von einer erschreckenden Brutalität, Unbarmherzigkeit, ja Menschenverachtung, gekennzeichnet sind.
 
Wenn wir uns mit diesen Gewaltexzessen auseinandersetzen,  reden wir ausführlich über die Täter, ihre Motive, ihre kriminellen Karrieren und über die Konsequenzen in der Kriminalitätsbekämpfung. Weniger intensiv reden wir über die Opfer, deren psychische Traumata, deren Leid, deren bedrückende Lebenssituation.

Nach der tödlichen Messerattacke am Jungfernstieg haben sich  vier Senatoren – das ist wirklich ein Novum - in einer umfangreichen Presseerklärung zu den Konsequenzen aus diesem Fall erklärt. In keiner Zeile der dreiseitigen Erklärung findet sich das Wort „Opfer“.

2)
Die Viktimisierung (Opferwerdung) hat prinzipiell dasselbe Ausmaß wie die Kriminalität, ist aber nicht so gegenwärtig, geschweige denn allgegenwärtig wie diese. Kriminalitätsbegehung und Opferwerdung sind zwei Seiten ein und derselben Medaille. Zumeist befassen wir uns nur mit einer Seite – und das ist nicht die des Opfers.

Opfer zu sein ist offenkundig ein Stigma – wie anders ist die zwiespältige Einstellung der meisten Menschen gegenüber einem Kriminalitätsopfer zu verstehen? Der Begriff „Opfer“ assoziiert nicht selten Niederlage, Schwäche, Verlust, Blamage, Ausschluss.

In unserer Gesellschaft ist eine „Winner-Loser-Mentalität“ verbreitet, die schon die Kinder in Kita und Schule verinnerlicht haben. Sie läuft faktisch auf die Heroisierung des Winners hinaus und diskriminiert den Loser als Opfer.
„Du Opfer“ ist ein bei Kindern und Jugendlichen gebräuchliches Schimpfwort. Dass der Winner oft der Täter und der Loser sein Opfer ist, scheint vielen gar nicht bewusst zu sein.

Nicht zuletzt aus diesem Grund brauchen wir eine neue Verhaltenethik, die sich mit der Problematik der Opfer auseinander setzt. Das ist auch deshalb wichtig, weil wir keine Kultur des Umganges mit dem Kriminalitätsopfer haben.

3)
Wir müssen uns nachdrücklicher fragen, woher diese – schon gar nicht mehr so neue - Qualität der Gewalt kommt und was in unserer Gesellschaft offenkundig schief läuft. Wenn es zu Gewalttatexzessen junger Täter kommt,  wenn Polizei und Justiz auf den Plan treten, sind schon viele Sicherungen durchgebrannt.
Wo war das notwendige frühzeitige Eingreifen im familiären und sozialen Umfeld der Täter?

Die brutalsten jungen Gewalttäter waren schon in ihrer frühen Kindheit häufig selbst Opfer von Gewalt. Sie wurden als Kleinkinder  geprügelt, misshandelt und vernachlässigt, sie haben keine Zuneigung, keine emotionale Zuwendung erfahren.
Die erlebten und  verinnerlichten Gewaltmuster sind dann nicht selten  zum Maßstab eigenen Handelns geworden – was nichts entschuldigt, aber vieles erklärt.

4)
Die Kriminalprävention muss einen höheren Stellenwert erhalten. "Vorbeugung der beste Opferschutz“. Leider spielt aber die Kriminalitätsvorbeugung gegenüber der Strafverfolgung eine sehr untergeordnete Rolle. 
Prävention braucht Zeit und Nachhaltigkeit, schnelle Erfolge sind nicht zu erwarten, Niederlagen einzukalkulieren. Investitionen auf dem Gebiet der Strafverfolgung scheinen vordergründig wirksamer und interessanter zu sein.
Besonders desillusionierend ist der Umstand, dass wir im Grunde genommen alle wesentlichen Entstehungsbedingungen von abweichendem Verhalten und Kriminalität kennen, aber eben nicht die Ursachen, sondern hauptsächlich die Erscheinungsformen bekämpfen.

Es ist dringend erforderlich, die Opferseite stärker zu berücksichtigen. Alle Bekämpfungsmaßnahmen, -konzepte und -strategien müssen neben der Täter- auch die Opferperspektive im Blick haben.
Konkret heißt das, dass jede Maßnahme des Senatskonzepts  „Handeln gegen Jugendgewalt“ immer auch gegen die Opferperspektive gespiegelt werden muss.  Das ist nicht nur kriminalpolitisch geboten, sondern wäre auch ein wichtiges Bekenntnis für mehr Opferempathie und ein wesentlicher Beitrag zum Opferschutz.

5)
Wenn wir vom Opfer sprechen, meinen wir in erster Linie das unmittelbare Tatopfer.
Sollte in eine Familie die Vergewaltigung der 16-jährigen Tochter einschlagen, gibt es nicht nur ein Opfer. Betroffen sind auch Eltern, Geschwister, Großeltern, Freunde, Mitschüler, Nachbarn. Vor allem  die nahen Angehörigen und Freunde sind durch das an der Tochter, der Schwester, der Enkelin, der Freundin verübte Verbrechen zumeist tief getroffen, traumatisiert und  aus dem Gleichgewicht geworfen. Ihr Leben gerät augenblicklich aus den Fugen, ihre bisherige Welt stürzt ein. Ihre psychische Traumatisierung ist immens.  Häufig  leiden diese Betroffenen stärker unter der Tat als viele unmittelbare Tatopfer.

Unsere Fokussierung auf das unmittelbare Tatopfer ist zu eng. Sie muss auch auf  die Problematik der mittelbaren (Gewalt-) Opfer gerichtet werden. Nur dann wird man der Situation der von Gewalt und Kriminalität betroffenen Menschen gerecht.

Wolfgang Sielaff
WEISSER RING Hamburg                           
Juni 2010

Eine prominente Stimme für die Opfer

Eine prominente Stimme für die Opfer
Dr. Heiko Raabe, Amtsgerichtspräsident a.D.  ist jetzt Mitglied im WEISSEN RING


Der WEISSE RING ist erfreut und stolz. Erneut verstärkt ein prominenter Hamburger Deutschlands größte Opferhilfeorganisation:
Dr. Heiko Raabe, bis 2008 Präsident des Amtsgerichts Hamburg, ist in den WEISSEN RING eingetreten. Jetzt erhielt er vom Landesvorsitzenden Wolfgang Sielaff seinen Mitgliedsausweis (ein digitales Foto ist abrufbar). Nach Peter Deutschland, dem ehemaligen Landeschef des DGB-Nord, verzeichnet der WEISSE RING damit einen weiteren prominenten Neuzugang. 



Dr. Heiko Raabe:
„Die Betreuung und Begleitung von Opfern ist eine sozial- und gesellschaftspolitische Aufgabe von großer Bedeutung. Diese Aufgabe ist für mich insbesondere interessant und wichtig, da ich mich während meines Berufslebens als Strafrichter in erster Linie mit den Tätern beschäftigt habe. Mein besonderes Augenmerk möchte ich auf das ständig wachsende Problem ’Jugendgewalt und Prävention’ richten.“

In der Landesorganisation wird die Mitgliedschaft Dr. Raabes besonders hoch eingeschätzt, weil sich mit ihm ein erfahrener und kompetenter Richter der Arbeit für die Opfer von Kriminalität und Gewalt verschreibt.  Fälle schwerster Gewaltkriminalität, wie jetzt am Jungfernstieg geschehen, zeigen einmal mehr drastisch auf, wie wichtig der Opferschutz ist.

Wolfgang Sielaff:
„Herr Dr. Raabe ist ein Gewinn für den WEISSEN RING. Einmal mehr setzt ein prominenter Hamburger ein Zeichen gegen Gewalt und für die Kriminalitätsopfer in unserer Gesellschaft. Ganz besonders freue ich mich darüber, dass mit Herrn Dr. Raabe ein prominenter Hamburger Jurist seine vielfältigen richterlichen Erfahrungen in die Arbeit für die Opfer einbringen wird.“ 

Dr. Heiko Raabe war 35 Jahre im Dienst der Hamburger Justiz, die letzten neun Jahre als Präsident des Amtsgerichts Hamburg, dem – nach Berlin - zweitgrößten Amtsgericht Deutschlands. Unter seiner Leitung arbeiteten 1600 Mitarbeiter, darunter 280 Richter.

Text/Foto: Lutz Jaffé WEISSER RING  

Alle Infos im Überblick:


Der "WEISSE RING e. V."

... ist die einzige bundesweite Hilfsorganisation für Kriminalitätsopfer und ihre Familien. Der gemeinnützige Verein tritt auch öffentlich für die Interessen der Betroffenen ein und unterstützt den Vorbeugungsgedanken. Seit seiner Gründung im Jahr 1976 hat der WEISSE RING als einzige bundesweit tätige Opferschutzorganisation ein flächendeckendes Hilfsnetz für in Not geratene Kriminalitätsopfer mit 420 Außenstellen aufgebaut. Rund 3.000 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer stehen den Kriminalitätsopfern mit Rat und Tat zur Seite.

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Sind auch Sie schon Mitglied?

Bei seiner wichtigen Aufgabe ist der WEISSE RING auf die Sympathie und Unterstützung möglichst vieler Menschen angewiesen, denen das Schicksal anderer nicht einerlei ist. Jeder Einzelne kann so einen kleinen Teil dazu beitragen, damit ein großes Stück Mitmenschlichkeit dort ankommt, wo es dringend gebraucht wird: Bei den Opfern von Kriminalität und Gewalt und ihren Familien.

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Publikationen

Der WEISSE RING stellt Ihnen gerne Informationsmaterial zu verschiedenen Bereichen seiner Arbeit zur Verfügung.

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Ihre Hilfe zählt!

Sie können die humanitären und gesellschaftspolitisch bedeutsamen Aufgaben des WEISSEN RINGS durch Ihre Spende unterstützen. Bei Ihrer Zuwendung kann es sich um eine Geld- oder nach Absprache im Einzelfall um eine Sachspende handeln. Ihre Spende an den WEISSEN RING ist steuerlich absetzbar. Sofern Sie mit Ihrer Spende einen speziellen Zweck fördern wollen, so können Sie diesen auf dem Überweisungsformular vermerken. Sie haben auch die Möglichkeit, direkt online eine Spende an die einzige bundesweit tätige Opferschutz-Organisation auf den Weg zu bringen.

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Opfer brauchen Beistand

Ihre Hilfe zählt!! Alle Arbeiten für den WEISSEN RING in einer Außenstelle werden ehrenamtlich durchgeführt. Eine Außenstelle umfasst das Gebiet eines Landkreises oder einer kreisfreien Stadt. Auch Sie können diese wichtigen Aufgaben und Aktivitäten des WEISSEN RINGS durch Ihre aktive und ehrenamtliche Mitarbeit unterstützen.

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Die Zukunft aktiv mitgestalten

Gutes tun über den Tod hinaus, ein Wunsch, den sich immer mehr Menschen dadurch erfüllen, dass sie in ihrem Testament auch gemeinnützige Organisationen bedenken. Um so leichter fällt dies, wenn entweder nächste Verwandte nicht existieren oder die wirtschaftlich gesicherte Situation der Angehörigen einen solchen Entschluss ohne weiteres zulässt.

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